Sopran, Concert, Tenor … welche Ukulele soll ich spielen?

Noch bevor man den ersten Akkord auf einer Ukulele angeschlagen hat, kann Einen die Vielfalt der unterschiedlichen Größen verwirren. Da gibt es die Sopran-, die Concert-, die Tenor- und die Bariton-Ukulelen. 

Schon die Namen scheinen auf ernsthafte musikalische Verwicklungen hinzudeuten, denn auch wer nie in einem Chor gesungen hat, der erinnert sich vielleicht, dass Sopran, Tenor und Bariton die Bezeichnungen der verschiedenen Stimmlagen in der Chor-Literatur sind.

Die Sopran-Ukulele klingt dann also irgendwie höher als die Tenor- oder die Bariton-Ukulele, mag man hier zu recht schlussfolgern. Und die Concert-Ukulele eigenet sich dann sicher besonders gut für die Konzerte, die man demnächst zu geben plant?!

Die Wahrheit ist:

Dem ist aber keineswegs so. Bei den im Sinne des Wortes klangvollen Namen handelt es sich - jedenfalls bei Sopran, Concert und Tenor-Ukulelen - schlicht um Größenbezeichnungen. Man könnte hier also ebensogut von small, medium und large sprechen. Allerdings klngt das dann weniger kunstvoll, sondern erinnert eher an den letzten Einkauf bei H&M.

Lediglich mit der Bariton-Ukulele verhält es sich anders … aber dazu später mehr.

Sopran-, Concert- und Tenor-Ukulelen sind im Normalfall identisch gestimmt (in der Hawai-Stimmung mit den Tönen gcea) und erzeugen also musikalisch-inhaltlich die gleichen Töne. Die Spieler greifen demnach auch die Akkorde an den gleichen Positionen.

Aber sie klingen doch anders?!

Vor allem musikalische Einsteiger, von denen es ja in der Ukuleleszene nicht wenige gibt, schwören trotzdem nicht selten, dass die Instrumente unterschiedlich klingen und also "anders" sein müssen. Das stimmt zwar, ist aber ein Missverständnis. Denn was die aufmerksamen Ukulelistas hier wahrnehmen, sind tatsächlich "Klang"-Unterschiede der verschiedenen Instrumente, die aber nicht musikalisch bedingt sind, sondern andere Gründe haben.

Jedes Instrument klingt anders

Zunächst einmal klingt natürlich jedes Instrument "anders". Größere Instrumente klingen eben "voluminöser" als kleinere und füllen dadurch den Raum besser; das akustische Fachwort dafür ist "sustain"; größere Instrumente haben also in der Regel mehr sustain.  Außerdem spielen Material und die Qualität der Verarbeitung beim Klang deiner Ukulele noch eine große Rolle.  

So wird ein teures bzw. wertvolles Instrument sicher anders (wahrscheinlich besser) klingen als ein preiswertes. Denn beim Bau wurden hochwertige und massive Hölzer und Lacke verwendet. Dagegen werden die preiswerten, industriell hergestellten Instrumente mit weniger wertvollem Holz und außerdem mit Schichtholz also ohne Massivholz-Bauteilen verarbeitet. Aber keine Sorge: Die Klangqualität solcher industriell gefertigten Instrumente ist heute trotzdem überraschend gut. Du musst deswegen nicht Unsummen für ein Instrument ausgeben. 

Sonderfall: Bariton-Ukulele

Ein Sonderfall in der Ukulele-Familie ist die Bariton-Ukulele. Sie ist nicht nur die größte Ukulele - also XL = extra lage - , sondern sie wird auch anders gestimmt, nämlich wie die vier ersten Saiten einer Gitarre: dghe. Sie klingt also deutlich tiefer als ihre drei Geschwister, die Sopran-, die Concert und die Tenor-Ukulele.

Hier sagt also nun tatsächlich der Name auch etwas über die musikalische Funktion des Instrumentes aus. In einer Gruppe mit mehreren Ukulelistas wird die Bariton-Ukulele immer herausfallen, da sie die mit Abstand tiefsten Töne und Klänge erzeugt; also vergleichbar mit dem Bariton in einem Chor. Der Spieler greift auch andere Akkorde. Beispiel: Um einen C-Dur Akkord zu spielen, muss er die Finger so aufsetzen, wie die Sopran-/Concert-/Tenor-Spieler ein F-Dur aufsetzen.

Und noch ein Sonderfall …

Auch die Bass-Ukulele hat in den verg. Jahren immer mehr Fans gefunden. Sie ist in der Regel etwa so groß wie eine Bariton-Ukulele oder nur leicht größer und auch für sie gilt, dass der Name Programm ist: Denn wie in einem Chor, wo der Bass die tiefsten Töne singt, erfüllt diese Funktion in vielen Ukulele-Ensembles tatsächlich die Bass-Ukulele, denn tiefer geht es nicht.

Aber zur Ukulele-Familie gehört sie dennoch nicht. Denn bei der Bass-Ukulele handelt es sich im Prinzip um nichts weiter als einen kleinen E-Bass. Sie wird genauso gestimmt wie ein E-Bass (Eadg) und auch genauso gespielt.

Und welche Ukulele soll ich denn nun spielen?

Ganz einfach ist die Antwort bei Kindern. Mindestens bis zum Alter von zehn Jahren sollten sie auf jeden Fall mit einer Sopran-Ukulele (small) starten. Vor allem mit der Akkordhand (in der Regel die linke Hand) finden Kinder dann am ehesten die richtigen Positionen. 

Bei Erwachsenen Einsteigern wird es schon vielseitiger. Die meisten wollen sowieso zunächst einmal die kleinste (Sopran) Ukulele ausprobieren. Das ist auch in Ordnung so; für viele gehört es einfach irgendwie zum Ukulele-Feeling dazu, dass das Instrument klein ist oder sich zumindest klein anfühlt. My Uke is my baby :)

Darüber hinaus gibt es aber doch auch ein paar objektive Kriterien bei der Auswahl des Start-Instrumentes.

Wenn du zum Beispiel sehr groß bist und/oder große Hände hast, dann wirst du sicher besser auf einer Tenor-Ukulele (Large) klar kommen. Wenn du demnächst auf Reisen gehen möchtest und die Transportierbarkeit des Instrumentes für dich ein wichtiges Kriterium ist, dann sollte es - unabhängig von deiner Körpergröße - eher eine Sopran (small) sein, denn die kannst du ohne Probleme im Standard-Handgepäck unterbringen.

Erfahrene Musiker tendieren meist gleich von Anfang an dazu, eine größeres Instrument (Concert oder Tenor / medium oder large) zu spielen. Das liegt einfach daran, dass sie ein geschultes Gehör haben und die mitunter vorhandenen, minimalen Intonationsprobleme * der kleinen Instrumente (Sopran / small) deutlicher wahrnehmen. Musikalische Einsteiger hören diese aber nicht und können das Thema deswegen getrost ausklammern.

Fazit:

Größe hin oder her … bei der Wahl deines Instrumentes solltest du dich tatsächlich zunächst einmal von deinem Bauchgefühl leiten lassen. 

Wenn möglich, dann probier die verschiedenen Instrumente in Ruhe in einem Fachgeschäft aus und schau, was passiert. Wahr ist ja auch, dass das Auge mithört ;) Eine Ukulele, die dir farblich oder vom Gesamt-Design eher gut gefällt, wird für dich auch gleich schöner klingen. Die Liebe auf den 1. Blick ist auch beim Ukulelekauf kein seltenes Phänomen. 

Vielleicht hast du auch Gelegenheit, in einem Workshop die verschiedenen Instrumente zu spielen (siehe Workshopangebote). Die Wahrscheinlichkei, dass du dabei die richtige Wahl triffst ist hier höher, denn beim Ausprobieren mit Zeit und unter Anleitung stellt man am ehesten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Größen fest.

Wer einmal so richtig vom Uke-Fieber gepackt ist, der wird ohnehin früher oder später ein zweites Instrument kaufen … oder ein drittes … viertes. Das liegt daran, dass die Preise für gute Ukulelen glücklicherweise erschwinglich sind; in allen Größen findet man gute bis sehr gute Instrumente unter 100 €. 

* Intonation = Tonreinheit

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